Ausstattung
Die Ausstattung ist vorallem bei älteren Immobilien (Erstellungszeitraum vor etwa 1960) ein bedeutendes Zustandsmerkmal, da hier die größten Unterschiede vorliegen. Jüngere Baualterskategorien -etwa nach 1985- weisen, abgesehen von wenigen sehr luxuriösen Objekten, beinahe durchweg in etwa identische Ausstattungscharakteristika auf.
Besonderheiten verschiedener Bauperioden müssen in die Bewertung einfließen. Meist zeigen ältere Mehrfamiliengebäude vorallem in den Bereichen Bodenbeläge, Sanitär, Fenster, Elektroinstallation und Heizung gewisse Abweichungen durch Modernisierung. Rein baukonstruktive Merkmale (zum Beispiel Geschoßdecken, Treppenhäuser) werden wegen der hiermit verbundenen hohen Kosten eher selten verändert. Bei Einfamilienhäusern zeigt sich ein sehr ähnliches Bild.
Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Baualterskategorie zwischen 1945 und circa 1955/60. Zu dieser Zeit richtete sich das wohnungswirtschaftliche Interesse -bedingt durch die Zerstörungen des zweiten Weltkrieges- hauptsächlich darauf, eine große Zahl an Wohnungen mit den vorhandenen Materialien in möglichst kurzer Zeit zu erstellen. Schall- oder Wärmedämmung hatten damals kaum Bedeutung, ebensowenig Erwägungen zur Haltbarkeit der Objekte. Daher können Gebäude aus diesem Erstellungszeitraum mit nur wenigen Ausnahmen als die bausubstantiell geringwertigsten seit etwa 1880 betrachtet werden (vgl. Dröge 1997,47; obere Leiste, Schaltfläche "Literatur").
Auch sind etwaige Folgeerscheinungen von Teilmodernisierungen bei der Bewertung zu bedenken. So wirkt sich etwa der Einbau moderner Isolierglasfenster in ein älteres Haus einfacher Bauart meist nur dann wohnwerterhöhend aus, wenn gleichzeitig eine Wärmedämmung der Außenwände erfolgt (ansonsten ist häufig mit Schimmelbildung zu rechnen).
Zur Mietwertermittlung wird in der Regel in drei Ausstattungskategorien unterschieden, bei der Bestimmung von Verkehrswerten meist genauer differenziert (vier bis sechs Abstufungen).
Eine brauchbare Abgrenzung enthält der Mietspiegel von Stuttgart (diese wurde von den meisten Städten und Gemeinden des Umlandes unverändert übernommen):
- Einfache Ausstattung: Wohnungen ohne Zentralheizung, ohne Teppich-/Parkettfußboden sowie ohne Doppelfenster, Küche ohne Fliesen, Versorgungs- und Elektroleitungen auf Putz.
- Mittlere Ausstattung: Wohnungen mit Bad (Dusche) oder Zentralheizung, Bad (Dusche) und/oder Küche sind gekachelt. Die Versorgungsleitungen liegen überwiegend unter Putz. Weiteres Kriterium: Doppelfenster zumindest auf der Windseite.
- Gute Ausstattung: Wohnungen mit Bad (Dusche) und Zentralheizung, Teppich- und/oder Parkettfußböden, Küche und Bad/Dusche gekachelt, die Versorgungsleitungen unter Putz, Doppelfenster, Wohnungen entsprechen neuesten Ansprüchen an zeitgerechten Wohnraum.
"Mit Bad (Dusche)" bedeutet, daß ein separates Badezimmer mit einem Waschbecken und einer Badewanne oder Dusche vorhanden sein muß. In den genannten drei Ausstattungsgruppen haben Bad (Dusche) und Zentralheizung eine besondere Bedeutung, müssen allerdings nicht die alleinige Voraussetzung für die Eingruppierung sein.
Eine überdurchschnittlich gut ausgestattete Altbauwohnung kann beispielsweise trotz fehlendem Bad oder nicht vorhandener Zentralheizung durchaus der mittleren Ausstattungsgruppe zugeordnet werden, während eine Wohnung mit Bad -aber sonst sehr einfacher Ausstattung- als zur Kategorie "einfache Ausstattung" gehörend betrachtet werden kann (vgl. die Anwendungshinweise zum Mietspiegel für Stuttgart).
Auch zur Beurteilung von Ausstattungsmerkmalen ist eine relative Zuordnung ausschlaggebend, da in die Preisspannen der Mietspiegel die kategorienabgrenzenden Merkmale bereits eingeflossen sind. Besondere Ausstattungsdetails, etwa Einbauausrüstung der Küche, oder ein offener Kamin etc. müssen gesondert betrachtet werden.
Bei der Mietspiegel-Kategorieneinstufung ist der Wohnwert eines Objektes von entscheidender Bedeutung, zur Ermittlung von Verkehrswerten (insbesondere nach dem Sachwertverfahren) werden meist die am Gebäude verwendeten Materialien untersucht. Hierbei besteht zwar ein gewisser Zusammenhang, es sei jedoch darauf hingewiesen, daß ein hoher Wohnwert auch mit vergleichsweise günstigen Materialien erreicht werden kann (etwa durch eine hervorragende Gebäudegestaltung/Grundrißzuschnitt etc.).
Eine diesbezügliche Abstufung für Wohngebäude ist in Vogels (1996,115; obere Leiste, Schaltfläche "Literatur") enthalten:
- Sehr einfache Ausstattung: einfache Ziegelfassade, Holzdach mit einfachen Ziegeln ohne Wärmedämmung und Unterspannbahn, WC nicht in der Wohnung, kein Bad, einfach verglaste Fenster, einfachste Böden, Türen etc.
- Einfache Ausstattung: einfache Putzfassade, einfaches Ziegeldach ohne Wärmedämmung, einfach verglaste Holzanstrichfenster, Holzanstrich- oder einfache Limbatüren, einfach ausgestattetes Bad, Kohleöfen, Ölöfen, einfache Holzdielenböden, oder einfacher PVC-Belag.
- Unteres Mittel: gegliederte Putzfassade oder einfache Verblendung, Ziegeldach mit Unterspannbahn, Holzanstrich- oder Kuststoff-Fenster mit Dämmverglasung, Naturholztüren (Limba, Macoré), Zentralheizung, Warmwasserversorgung über Durchlauferhitzer, einfache Fliesen und Einrichtungsgegenstände im Bad, Fliesenspiegel in der Küche, PVC- oder einfache Teppichböden, im Treppenhaus einfacher Terrazzobelag.
- Oberes Mittel: Fassaden verblendet oder gegliederter Putz (Edelputz), Ziegeldach mit Wärmedämmung und Unterspannbahn, Kunststoff- oder Naturholzfenster mit Dämmverglasung, Zentralheizung mit verbundener Brauchwasserbereitung, Bäder mit aufwendigeren Fliesen und Einrichtungsgegenständen, Fußböden Textilbelag oder Parkett, im Treppenhaus hochwertiger Terrazzo oder Naturstein.
- Gehobene Ausstattung: Fassaden mit gegliederter Verblendung oder mit Natursteinplatten verkleidet, Edelholzfenster oder eloxierte beziehungsweise einbrennlackierte Leichtmetallfenster mit Dämmverglasung, aufwendige Ziegeleindeckung, Innentüren und Einbauschränke aus Edelholz, Zentralheizung mit verbundener Brauchwasserbereitung, reichhaltige Ausstattung der Sanitärräume, hochwertige Fußbodenbeläge etc.
- Aufwendige Ausstattung: Fassaden mit Werkstein verkleidet, aufwendige Edelholzfenster mit automatischem Sonnenschutz/Markisen, mehrere aufwendige Bäder und getrennte WC, Zentralheizung und zentrale Warmwasserversorgung mit mehreren Regelkreisen, Innentüren und zahlreiche Einbauschränke aus Edelholz, aufwendige Fußbodenbeläge etc.
Freise (1998; obere Leiste, Schaltfläche "Literatur") verwendet zwei bis vier Kategorien, diese werden je nach Gebäudeart angepasst. Die Normalherstellungskosten eines Objektes richten sich hier nach den Klassifizierungen "einfach", "mittel", "gehoben" und "stark gehoben". Für Nichtwohn-, Funktions-, Landwirtschafts- und Nebengebäude sind Ausstattungsstandards ebenfalls in Freise (1998,75ff) enthalten. Wegen der Vielzahl der Gebäudetypen wird an dieser Stelle beispielhaft lediglich eine Unterteilung für Industriegebäude wiedergegeben:
- Einfacher Ausstattungsstandard
Fassade Skelettbau: einfache Wände, Holz-, Blech-, oder Faserzementbekleidung.
Fassade Massivbau: Mauerwerk mit Putz oder Fugenglattstrich/Anstrich.
Fenster: Holz/Stahl, Einfachverglasung.
Dächer: Wellfaserzement-/Blecheindeckung, Bitumen- oder Kunststoff-Folienabdeckung.
Sanitär: einfache Toilettenanlage, wenige Duschen, Installation auf Putz.
Innenwandbekleidung der Naßräume: Ölfarbanstrich.
Bodenbeläge: Rohbeton, Anstrich.
Heizung: Einzelöfen, elektrische Speicherheizung, Boiler für Warmwasser.
Elektroinstallation: je Raum ein Lichtauslaß und ein bis zwei Steckdosen.
Sonstige Einbauten: Kochmöglichkeit, Spüle.
- Mittlerer Ausstattungsstandard
Fassade Skelettbau: Leichtbetonwände mit Wärmedämmung, Beton-Sandwichelemente, Ausfachung 12 bis 25 cm.
Fassade Massivbau: Wärmedämmputz, Wärmedämmverbundsysteme.
Fenster: Kunststoff, Isolierverglasung, Glasbausteine.
Dächer: Betondachpfannen, mittlerer Wärmedämmstandard.
Sanitär: ausreichende Toilettenanlagen, mehrere Duschen, Installation teilweise auf Putz.
Innenwandbekleidung der Naßräume: Fliesensockel.
Bodenbeläge: Estrich, Gußasphalt, PVC.
Heizung: Lufterhitzer, Sammelheizung, Fernheizung.
Elektroinstallation: je Raum ein bis zwei Lichtauslässe und zwei bis drei Steckdosen, informationstechnische Anlagen, Leitungen unter Putz.
Sonstige Einbauten: Teeküche.
- Gehobener Ausstattungsstandard
Fassade Skelettbau: Schwerbetonplatten, Ausfachung bis 30 cm.
Fassade Massivbau: Verblendmauerwerk, Metallbekleidung, Vorhangfassade, hoher Wärmedämmstandard.
Fenster: Aluminium, aufwendige Fensterkonstruktion.
Dächer: Metalleindeckung, hoher Wärmedämmstandard.
Sanitär: großzügige Toilettenanlagen und Duschräume, Installation unter Putz.
Bodenbeläge: Betonwerkstein, Verbundpflaster, Klinker.
Heizung: Sammelheizung mit separater Regeltechnik, Luftheizung mit Umluftregelung.
Elektroinstallation: je Raum mehrere Lichtauslässe und Steckdosen.
Sonstige Einbauten: Einbauküche, Aufenthaltsraum.
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